Moni Egger. 2016.
Fehlübersetzungen mit Folgen – Korrekturen zur "biblischen Schöpfungsordnung"

Wenn es um die "natürlichen Geschlechterrollen" geht, wird gerne die Bibel zu Rate gezogen; vor allem die Schöpfungsgeschichte, in der über die Grundkonstanten von Welt und Mensch nachgedacht wird. Vielen sind diese Geschichten in der Übersetzung von Martin Luther wohlvertraut: Gott schuf den Menschen "als Mann und Frau" klingt es in meinen Ohren. Und schon sehe ich den Paradiesgarten, sehe wie Gott aus Lehm den Mann formt und dann vom Mann eine Rippe nimmt, daraus die Frau baut, damit der Mann eine Gehilfin hat für Haus und Kind und Herd. Keine schöne Vorstellung. Zu meinem grossen Glück habe ich Hebräisch gelernt und kann nun selbst lesen, was in den alten Texten der Bibel steht.  

Doris Strahm, Béatrice Bowald. 2016. 
Zur Freiheit berufen: Was die Bibel zur Geschlechtlichkeit der Menschen als Ebenbild Gottes sagt

Die biblischen Schöpfungsgeschichten (Gen 1-3) sind Anfangserzählungen; sie behandeln Grundfragen des Menschseins: Wie ist die Welt und die Menschheit von Gott gedacht und erschaffen worden? Was ist die Rolle der Menschen in Gottes Schöpfung? Weshalb gibt es die Menschen als Mann und Frau? Die christliche Tradition hat die biblischen Schöpfungsgeschichten bis in die Gegenwart hinein so interpretiert, dass eine natürliche Verschiedenheit von Mann und Frau in der Schöpfung angelegt ist und dem göttlichen Willen entspricht. Aus dieser schöpfungsmässigen Verschiedenheit wurden zugleich bestimmte geschlechtsspezifische Rollen und Aufgaben abgeleitet, die der "Natur" und dem "Wesen" des Mannes beziehungsweise der Frau entsprächen.

 

Links zu relevanten Artikeln zum Thema

Gottebenbildlichkeit und Gottesbild bzw. Geschlecht in der Bibel

Magdalene L. Frettlöh
Wenn Mann und Frau im Bilde Gottes sind... – Über geschlechtsspezifische Gottesbilder, die Gottesbildlichkeit des Menschen und das Bilderverbot
2002. foedus-verlag Wuppertal.

Welche Auswirkungen haben die nach wie vor überwiegend männlich geprägten Gottesbilder auf die Gottebenbildlichkeit des Menschen? Madgalene L. Frettlöh zeigt aus einer genderbewussten Perspektive auf, dass diese männlichen Gottesbilder die Gottebenbildlichkeit des Menschen unterlaufen und auch gegen das biblische Bildverbot verstossen. Sie bleibt aber nicht bei der Kritik stehen, sondern zeigt, wie sich dennoch geschlechtergerecht von Gott sprechen lässt.
 

Claudia Janssen
Nicht männlich und weiblich – oder doch? Geschlecht und Körper im Neuen Testament
2014. 7. Feministisch-theologische Sommerakademie in Schwandenwerder.

Vortrag von Claudia Janssen, in dem sie die Stelle in Gal 3,28 („... da ist nicht männlich und weiblich“) aus dem Kontext der damaligen Zeit interpretiert und auch auf die aktuelle Gender-Debatte in der Kirche eingeht.

 

Gender in den Kirchen

Jadranka Rebeka Anic
Der Begriff „Gender“ als Anathema. Eine Kampagne der kroatischen Bischöfe als Beispiel
2015. Herder Korrespondenz 69. Jg. Heft 3, 157-161.

Jadranka Rebeka Anic beleuchtet die Hintergründe der Botschaft der Kroatischen Bischöfe an die Jugend, in der sie vor den „Gefahren der Gender-Ideologie’“ warnen. Sie kritisiert, dass die Bischöfe sich dabei auf unwissenschaftliche, genderfeindliche Thesen stützen, statt sich fundiert mit dem Begriff auseinanderzusetzen.
 

KDFB (Katholischer Deutscher Frauenbund)
Gender, Gender Mainstreaming und Frauenverbandsarbeit
2015. KDFB, Köln.

In der Broschüre werden sowohl verschiedene Begriffe erklärt als auch Bereiche angesprochen, in denen die Gender-Frage eine Rolle spielt bzw. mehr Beachtung finden sollte. Bemerkenswert ist die Argumentation des KDFB in Bezug auf die Theologie. Mit Verweis aufs Zweite Vatikanische Konzil und das befreiende Wirken Gottes sollte es nach Ansicht des KDFB selbstverständlich sein, die Gender-Kategorie in der Theologie aufzugreifen.
 

Raoul Löbbert
Wider die Geschlechter-Krieger
2016. Zeit Online: www.zeit.de 5. Okt. 2016.

Kritische und leicht lesbare Auseinandersetzung mit der mehrfach geäusserten Kritik des Papstes Franziskus an Gender.

 

Gerhard Marschütz
Wachstumspotenzial für die eigene Lehre: Zur Kritik an der vermeintlichen Gender-Ideologie
2014. Herder Korrespondenz 68. Jg. Heft 9, 457-462.

Fundierte Auseinandersetzung mit und dezidierte Kritik an der Anti-Gender-Debatte in der römisch-katholischen Kirche. Gerhard Marschütz zeigt auch auf, wie die nach wie vor wirkende Naturrechtslehre mit ihrer Vorstellung einer Wesensverschiedenheit von Mann und Frau mit Hilfe der Kategorie der Beziehung aufgebrochen werden könnte.

 

Theresa Pieper
Gender – Quo Vadis 2017? Es bleibt bunt
2017. feinschwarz.net, theologisches Feuilleton, 27. Jan. 2017.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche setzt sich mit den politischen Entwicklungen im 2016 und den damit verbundenen Konsequenzen auf Gender auseinander. Trotz lautstarkem Anti-Gender-Diskurs bleibt sie mit Blick auf positive Entwicklungen in den evangelischen Kirchen optimistisch.